Facebook  

   

Kommende Termine

Keine Termine gefunden
   

Eine saubere Gurkentruppe

Details

Der Fußball-Gott und Vorzeige-Unternehmer Uli Hoeneß. Der Hanseat und Intellektuelle Theo Sommer. Die Ikone des Feminismus und Publizistin Alice Schwarzer und zuletzt der Berliner Kulturstaatssekretär von der SPD, André Schmitz. Sie alle haben eines gemeinsam: Sie haben Steuern hinterzogen, und das nicht zu knapp. Und alle dieser Kandidaten rechtfertigen sich mit Schusseligkeiten. Eine tolle "Elite" haben wir da im Land.

 

Bild_meedia.deBild:meedia.de
 
 
Laut der Bild-Zeitung soll Alice Schwarzer 2,4 Millionen Euro auf einem Konto in der Schweiz gebunkert haben. Dieses Konto bestehe seit 1980. Die ausstehenden Steuern musste sie nach ihrer Selbstanzeige nur für die zurückliegenden zehn Jahre bezahlen, den Rest gibt es quasi geschenkt, denn das ist verjährt. Die Rechtfertigung der Steuerflucht ist wiederum bemerkenswert: In jener Zeit als dieses Konto angelegt wurde, habe die antifeministische "Hatz" auf sie solche Züge angenommen, da habe Frau Schwarzer mit dem Gedanken der Republikflucht gespielt. Das ist mittlerweile zwar vom Tisch, das Konto "war einfach da. Zu meiner Beruhigung.”, wie sie selbst sagt.

So ein mit Millionen prall gefülltes Konto in der Schweiz hätten bestimmt viele gerne. Vermutlich sogar die Mitarbeiterinnen von Schwarzers Zeitschrift Emma. Ich bezweifle jedoch ernsthaft, dass die dort so üppig verdienen, dass sie sich ein paar Millionen "zur Beruhigung" auf die Seite legen können. Alice Schwarzers Rechtfertigung für ihre Steuerhinterziehung finde ich hingegen peinlich und selbstgerecht. Vor allem da sie erst auf die Idee kam sich selbst anzuzeigen, als bekannt wurde, dass mal wieder Schweizer Steuer-CDs mit Daten von deutschen Steuersündern in Umlauf sind. Gerade in meiner Funktion empfinde ich es also noch peinlicher, wie sie sofort mit dem Finger auf andere, in diesem Fall den Spiegel und die Medien allgemein zeigt, die die Unverfrorenheit besäßen, ihre Sache öffentlich zu machen und über ihre Steuergeschichten zu berichten.

Alice Schwarzer ist nun schon die vierte mehr oder weniger prominente Person innerhalb kurzer Zeit, deren Steuer-Hinterziehung öffentlich wird. Zuvor waren dies FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß und der frühere Zeit-Herausgeber Theo Sommer. Der Steuerhinterziehungs-Fall des ehemaligen im Schloss am Gardasee residierenden Post-Chefs Klaus Zumwinkel liegt schon ein bisschen länger zurück, passt aber natürlich auch in die Reihe. Da haben wir also den höchstkarätigen Sportfunktionär und erfolgreichen Unternehmer Hoeneß, den intellektuellen Hanseaten Sommer und die Frauenrechtlerin und Publizistin Schwarzer. Drei idealtypische Vertreter der gesellschaftlichen "Elite" des Landes, oder deren die sich eben für diese halten mögen. Und alle haben sie in beträchtlichem Maße Steuern hinterzogen. Fast noch schlimmer ist freilich, wie sie das rechtfertigen: mit Schusseligkeit.

Uli Hoeneß sagte in der Zeit: “Es war immer klar, das war ein Konto zum Zocken, für nichts anderes.” Und wie schaut es mit dem Kontostand aus? “Das weiß ich nicht. Keine Ahnung, ich habe da nie draufgeschaut.” Der jahrelange Moralapostel und der Mann, welcher die Weisheit offenbar nicht nur mit Löffeln, sondern mit Schaufeln gefressen hatte. War er auch in all diesen Jahren niemals müde, seine Weisheiten und Belehrungen allen anderen zuteil werden zu lassen. Legendär der Auftritt im Sportstudio, in welchem er einem anderen Fußball-Kollegen erklärte, dass die Gesetze der BRD nunmal auch für ihn (den Kollegen) gelten würden. Vor diesem Hintergrund ist die ganze Causa Hoeneß geradezu lachhaft. Er erweckte den Eindruck, dass er sein illegales Konto praktisch vergessen habe. Das Spielgeld-Konto – ach ja, das war ja auch noch da. Theo Sommer war direkter. “Aus Schusseligkeit oder Schlamperei” – man soll es sich wohl aussuchen – habe er versäumt, seine üppigen Honorare der Zeitschrift "Atlantic Times" anzugeben. Wobei man sich auch fragen darf, wie eine nur einem Mini-Publikum bekannte Mini-Zeitschrift derart üppige Honorare auszahlen kann, dass sich das Hinterziehen, bzw. “Verschusseln” in großem Stil in die Schweiz überhaupt lohnt. Und Alice Schwarzer bekennt: “Ich war nachlässig.” Nachlässig, schusselig, vergesslich. Eine feine "Elite" haben wir da beisammen. Fehlt nur noch unser früherer Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg, der aus Schusseligkeit und Überforderung gleichsam aus Versehen seine Doktorarbeit abgeschrieben hat. Die "Elite" des Landes ist also entweder verkommen oder verschusselt. Keine allzu prickelnden Alternativen. 

Freilich kennt jeder die Situation beim Anblick des Lohnzettels. Freilich bezahlt keiner gerne horrend anmutende Steuersätze um danach die unsägliche Geldverschwendung betrachten zu können. Der Punkt ist jedoch der, dass die wahre "Elite" meiner Meinung nach trotzdem hier bleibt, Unternehmen gründet und seine Steuern zahlt, aus moralischen Gründen, aus Heimatverbundenheit, ihren Mitarbeitern verpflichtet oder da sie einfach keine Möglichkeit haben ihre Kohle ins Ausland zu schaffen. Unsere Bundesregierung hat das schon lange durchschaut...bittet sie doch die "Elite" des Mittelstandes aus Tradition am heftigsten zur Kasse. 

 

Bis zum nächsten Steuerfund,

Euer Bademeister

   
© Baden-Badener Narrenzunft e.V.